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EXPERTISE

Der Billerbecker Kalk - ein historischer Baustoff aus den Baumbergen
Sein Vorkommen und Abbau sowie seine Bedeutung für die Denkmalpflege

Einleitung
Die Verarbeitung von Kalkmörteln besitzt besonders im denkmalpflegerischen Bereich nach wie vor ein erhebliches Interesse. Die nachfolgend aufgeführten positiven Eigenschaften wie:

  • ungemischtes Bindemittel,
  • geringer Alkali- und Sulfationengehalt, 
  • ausreichende Frühfestigkeit, 
  • keine zu hohe Endfestigkeit,
  • einen für Kalkmörtel typischen niedrigen E-Modul, 
  • gute Verarbeitungseigenschaften durch kolloide Kieselsäureverbindungen,
  • gute Verwitterungsbeständigkeit,

sind die Begründung für seine ausgezeichnete Einsetzbarkeit besonders im Bereich von Natursteinmauerwerken.
In der Regel wird heute bei der Herstellung von Kalkmörteln auf moderne handelsübliche Baukalke zurückgegriffen, die der Qualitätsüberwachung nach DIN 1060 entsprechen. Im Gegensatz dazu steht jedoch der verständliche Wunsch der Denkmalpflege, bei dem Erhalt und der Restaurierung alter Bausubstanz auch die historischen Baustoffe verwenden zu können. Oft ist dies nicht mehr möglich,
da die alten Rohstofflagerstätten nicht mehr bekannt sind, oder nicht mehr in ausreichender Menge zur
Verfügung stehen. Darüber hinaus sind die historischen Techniken zur Weiterverarbeitung zu Baustoffen oft nicht mehr vorhanden, oder sie sind ebenfalls in Vergessenheit geraten.
Eine herausragende Ausnahme hierzu ist der sogenannte „Billerbecker Kalk", der heute noch in traditioneller Technik gebrannt wird und für den der Rohstoff Kalkmergel in den Baumbergen abgebaut wird. Der Billerbecker Kalk ist ein natürlicher hydraulischer Kalk, der besonders im Bereich der denkmalpflegerischen Bausubstanz aus Baumberger Kalksandstein eine überragende regionale Bedeutung besitzt.
Die Bedeutsamkeit des Billerbecker Kalks steht im direktem Zusammenhang mit dem Werksteinmaterial des Baumberger Sandsteins. Der Baumberger Sandstein ist ein seit über 1000 Jahren in den münsterländischen Baumbergen abgebautes Baumaterial für Kirchen, Klöster, Schlösser und verschiedene bildhauerische Objekte. Bei der Gewinnung des Baumberger Sandsteins wurde der Kalkmergel aus dem Abraummaterial sowie auch aus „Kuhlen" und „Gruben" in unmittelbarer Nähe der Natursteinlagerstätten für die Kalkbrennung abgebaut. Dieser Kalk wurde dann als Kalkmörtel bevorzugt bei dem Vermauern des Baumberger Sandsteines eingesetzt. Auch heute noch werden bei Restaurierungs- und Erhaltungsarbeiten an Bauwerken aus Baumberger Sandstein bevorzugt Mörtel eingesetzt, die den Billerbecker Kalk als Bindemittel enthalten.
Seit 1924 existiert in der Billerbecker Bauernschaft Dörholt auf einem Höhenzug der Baumberge die Kalkbrennerei Meyer. Das Familienuntemehmen ist zur Zeit noch in Betrieb und stellt damit die einzige Bezugsquelle des historischen Baustoffs dar. Die Kalkbrennerei Meyer ist heute auch die letzte ihrer Art, in der in einem großen Rundofen nach traditioneller Technik der historische Kalk gebrannt wird. Die Steinmetzbetriebe der anliegenden Gemeinden und die Restauratoren im Münsterland sind die Hauptabnehmer des Billerbecker Kalks.
Aber auch über den regionalen Bereich hinaus findet der Billerbecker Kalk im restauratorischen Bereich seine Anwendungen, wie z. B. bei der Herstellung von Schlämmen (Rüenauver,M. 1993) und für den Schutz historischer Ziegelmauerwerke. Des weiteren besteht mit der überregionalen Verbreitung und Verarbeitung des Baumberger Sandsteins auch eine Nachfrage nach dem Billerbecker Kalk.
Das Interesse an der Verwendung von Kalk als Basis für Mörtel, Schlämmen und Farben im denkmalpflegerischen Bereich nimmt in der letzten Zeit wieder zu. Dieses zeigt sich an den aufgenommenen Materialuntersuchungen im Rahmen von naturwissenschaftlichen Forschungsarbeiten, die das Material und seine Verwendbarkeit eingehender untersuchen, da bisher nur praxisorientierte oder unzulänglich überlieferte Erfahrungen mit dem Material vorliegen (EUREKA Forschungsprojekte EU 791 und EU 1382).  (...)

Die Kalkbrennerei „Meyer" - ein technisches Kulturdenkmal im Münsterland und seine heutige Bedeutung für den historischer Baustoff.



(Auszüge aus einer Expertise von Dipl.-Ing Jutta Zallmanzig (Zollern-Institut) und Dr. Joachim Eichler (Baumberger-Sandstein-Museum) aus dem Jahr 1997)